Zusammenfassung

Immer mehr Menschen aus allen Altersgruppen suchen sich Infor-mationen für ihre Wahlentscheidung im Internet zusammen. Da ist es gerade für politische Kandidaten in Wahlkampfzeiten wichtig, auf das Internet als Informationsmedium zu setzen. Wie genau nutzen die Direktkandidaten das Netz im Bundestagswahlkampf 2013 und was können sie voneinander lernen für den zukünftigen Austausch mit interessierten Bürgern im Internet? Diese Fragen untersuchen wir in einer explorativen, qualitativen Studie zur Internetpräsenz von 152 Bundestagskandidaten aus 16 Wahlkreisen im Bundestags-wahlkampf 2013.

Insight #1: Kandidaten kleiner Parteien nutzen das Potential des Internets nicht ausreichend

Gerade für Kandidaten kleiner Parteien, die nicht über das Wahl-kampfbudget einer Volkspartei verfügen, kann das Internet eine aussichtsreiche Plattform zur Wählermobilisierung sein. Nur wenige Kandidaten von FDP und Grünen sowie kleiner Parteien nutzen die-ses Potential des Internets. Über viele andere lassen sich keine oder nur wenige Informationen im Netz finden. Feedbackfunktionen in so-zialen Netzwerken zum Dialog mit dem Bürger werden selten ge-nutzt.

Insight #2: Derzeitige Abgeordnete sowie Kandidaten mit reali-stischer Aussicht auf ein Direktmandat treten professioneller auf im Internet

Obwohl qualitativ lässt sich aus dieser Studie eine deutliche Abhän-gigkeit zwischen derzeitigem Mandatsstatus und der Professionalität des Internetauftritts eines Kandidaten ableiten. Vor allem aktuelle Mitglieder des Bundestages (MdB) präsentieren sich professionell im Netz, dicht gefolgt von ehemaligen Abgeordneten früherer Legisla-turperioden, Abgeordneten der Landesparlamente (MdL) oder Kan-didaten aus den Parteiführungen.

Vor allem derzeitige MdBs präsentieren sich in modernem Design mit inhaltlich detaillierten sowie aktuellen Internetseiten und gut ge-pflegten Profilen in sozialen Netzwerken. Allerdings ist ein profes-sioneller Internetauftritt nicht immer gleichzusetzen mit einer bürger-freundlichen Ansprache. Von Referententeams gepflegte Kandida-tenseiten wirken unpersönlich und lassen vielfach keinen direkten Kontakt zum Kandidaten zu. Sie vernachlässigen so die Dialogfunk-tion des Internets.

Insight #3: Trotz vielfacher Präsenz in sozialen Netzwerken wird die Dialogfunktion des Internets kaum genutzt

Eine Anzahl an Berichten über die Möglichkeiten für Politiker in so-zialen Netzwerken hat den Trend zum Facebook- oder Twitter-Profil so auf die Agenda gebracht, dass selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Abgeordneten zu ‚Social Media'-Kursen verpflichtete. Es überrascht in diesem Zusammenhang nicht, dass die Mehrzahl der Kandidatinnen und Kandidaten unserer Studie zumindest ein Netz-werkprofil pflegt, zumeist bei Facebook. Allerdings sind diese Profile kein Garant für einen ausgiebigen Dialog mit Bürgern im Internet. Im Gegenteil: Viele Kandidatenprofile sind wenig frequentiert; darge-stellte Informationen bleiben trivial oder eine Kopie der Neuigkeiten der eigenen Webseite und einige Kandidaten lassen keine Kom-mentare oder ‚Posts' von Besuchern auf ihren Seiten zu.

Insight #4: Es gibt ein großes Gefälle in der Qualität dynami-scher sowie statischer Inhalte zwischen Kandidaten

Während einige Kandidaten mit sehr guten Webseiten sowohl Ba-sisinformationen zu ihrer Person und den politischen Standpunkten (statisch) als auch aktuelle Inhalte wie zum Beispiel Wahlkampfneu-igkeiten (dynamisch) oder sogar Videos vorweisen, gibt es bei vielen Kandidaten sowohl bei den dynamischen als auch bei den stati-schen Inhalten Nachholbedarf. Gerade bei den relativ einfach um-zusetzenden statischen Inhalten überrascht dies: Bei einigen Kandi-daten konnten grundlegende Informationen wie ein Lebenslauf, ak-tuelle Kontaktdaten oder politische Standpunkte nicht im Netz ge-funden werden. Die schwerer zu pflegenden dynamischen Inhalte wie zum Beispiel aktuelle Informationen zu Wahlkampfständen, Termine des Kandidaten oder aktuelle Stellungnahmen zur tagespo-litischen Themen fehlten zumeist. Generell wurde nur wenig online über aktuelle politische Inhalte sowie Standpunkte im Internet kom-muniziert.

Die Studie zeigt, dass Kandidaten für politische Ämter die Möglich-keiten des Internets als Informations- und vor allem Dialogplattform im Bundestagswahlkampf 2013 nicht vollständig ausnutzen. Gerade der Austausch mit interessierten Bürgern im Netz kann für politische Kandidaten ein Werkzeug sein, um Inhalte zu vermitteln, Interessen aufzunehmen und Wähler zu gewinnen. Kandidaten kleiner Parteien haben hier unabhängig von den Inhalten das meiste Potential; der-zeitige Amtsträger und Kandidaten der Volksparteien können ihre Nutzung von dynamischen und dialogorientierten Inhalten ausbau-en.

Warum das Internet entscheidend sein kann

Nicht erst seit Barack Obama's Internetwahlkampf 2008 oder den er-folgreich über soziale Netzwerke organisierten Protesten des arabi-schen Frühlings wird das Internet als revolutionäre, unterstützende Kraft für Bürger und politische Bewegungen verstanden (Shirky 2011). Es heißt, das Internet und die einhergehenden sozialen Netzwerke ermöglichten einen neuen Traum von Transparenz, Teil-habe und echtem Dialog in der Politik.

In der Realität aber halten sich deutsche Politiker noch immer auffal-lend zurück mit der Nutzung des neuen Erfolgswerkzeugs, das schon Barack Obama zu unerwarteter Beliebtheit und zur Präsident-schaft verholfen hat. Die Kanzlerin Angela Merkel bezeichnet das In-ternet als ‚Neuland'. Eine Studie von Forschern der Uni Bamberg zeigt auf, dass Partei- und Kandidatenwebseiten in Google-Anfragen bisher beinah unsichtbar bleiben (Jungherr, Ludwigs & Schoen 2012) und der Social Media Index von Forschern der Uni St. Gallen (2011) attestiert dem Gros der deutschen Politiker Nachholbedarf in Sachen soziale Netzwerke.

Dabei böte das Internet einen hervorragenden Rahmen für den In-formationsaustausch und Dialog zwischen Bürgern und Politikern: Laut einer Studie von ARD und ZDF verbringt der Durchschnitts-deutsche beinah drei Stunden täglich im Netz (van Eimeren & Frees 2013). Insgesamt sind 76.5% der Deutschen regelmäßige Internet-nutzer - ungefähr 51,7 Millionen Menschen - genug also, um an die begehrten Wechsel- und Nichtwähler heranzukommen. Und auch die vielumworbene Gruppe der Erstwähler sollte über das Internet und vor allem über soziale Netzwerke einfach zu mobilisieren sein. Aber: Nur jeder dritte deutsche Wahlberechtigte hält die Internet-kenntnisse der Politiker für ausreichend (BITKOM 2011).

Erklärungsversuche für diesen Gegensatz zwischen Potential und Wirklichkeit gibt es zu Hauf: Die Bandbreite reicht von blankem Un-wissen über die Funktionsweisen des Internets bis hin zu beabsich-tigter Zurückhaltung im Netz zur Vermeidung öffentlicher ‚Shit Storms' .Um der Lösung dieses Rätsels auf die Spur zu kommen, analysieren wir in dieser Studie das Wahlkampfverhalten im Internet von Direktwahlkandidaten für die Bundestagswahl 2013. Wir wollen Antworten finden auf die Frage, wie die Kandidaten für den Bundes-tag das Internet als Informationsplattform und für partizipationsför-dernde Maßnahmen einsetzen. Wir nähern uns dem Thema auf qua-litative Weise, indem wir die im Netz kommunizierten Inhalte genau-er beobachteten - nicht zuletzt auch um den Fokus der bisher vor-nehmlich auf die reine Online-Präsenz abzielenden Debatte auf die tatsächlichen Inhalte zurückzulenken.

Theoretisch gesehen: Das Internet als möglicher Partizipations-Boost?

So wie die Berichterstatter erwarten auch die Sozialforscher seit Einbruch des Internetzeitalters eine Wende in den Informationsmög-lichkeiten und bezüglich der Beteiligung der Bürger. Schon mit der Entstehung des Webs wurde eine Explosion der Möglichkeiten für die Beteiligung am politischen Willensbildungsprozessvorhergesagt.

Die Erwartungshaltung ging dabei gleichermaßen in die positive wie negative Richtung: So wie Putnam 1995 das Fernsehen zum sozia-len Störfaktor ausruft, so sehen einige Sozialforscher auch das In-ternet als mögliche zusätzliche Barriere für das Einbringen in den politischen Prozess: Mehr Mediennutzung online führe zu weniger sozialer Interaktion und politischer Artikulation offline (Kraut et al. 1998, Nie & Erbring 2000). Auf der anderen Seite finden sich dieje-nigen wieder, die bereits als Kritik an Putnam für einen Blick auf spezifisches Nutzerverhalten argumentierten. Nicht wenige Forscher in dieser Gruppe plädieren für die positiven Effekte des Internets in bestimmten Nutzungsverhältnissen. So unterstütze das Internet zu-sätzlich zu den bestehenden Formen politischer Kommunikation:

1. den Zugang zu politischer Information, vor allem die Infor-mationssuche der Bürger, die nicht vom sozialen Status oder Beruf aus einer Elite angehören (Stromer-Galley 2000, White 1997, Woodly 2007). Dieser zusätzliche Zugang zu Informatio-nen kann einen positiven Effekt auf den Grad der Partizipation haben, vorausgesetzt, dass Informationen von Bürgern disku-tiert und reflektiert werden (Shah et al. 2005).

2. die Teilnahme an politischen Konversationen (Dahlgren 2005, White 1997), indem es einen Ort für den Ausdruck politi-scher Meinungen bietet (Price & Capella 2002). Die Teilnahme an politischen Konversationen (entweder indirekt nach Informa-tionssuche im Netz oder im Dialog direkt online) fördert politi-sche Partizipation (McLeod et al. 1999).

3. die Vernetzungpolitisch Gleichgesinnter untereinander (z.B. wenn Unterstützer eines Kandidaten sich gegenseitig identifizieren, aber auch wenn interessierte Menschen sich zu den Standpunkten eines Kandidaten austauschen), z.B. durch Präsenz in sozialen Medien. Konversation in Netzwerken und die damit einhergehende Identifikation der Teilnehmer unter-einander fördert die Beteiligungsbereitschaft (Zhang et al. 2009).

Zu erwarten: Funktionen des Internets im Wahlkampf und wie die Kandidaten sie nutzen

Sollte das Internet tatsächlich eine unterstützende Funktion im politi-schen Willensbildungsprozess einnehmen, was genau ist dann im Netz von Politikern und politisch Interessierten während eines Wahl-kampfs zu erwarten?

1. Als erste Anlaufstelle für Informationen bietet das Internet Zu-gang zu Kandidatenprofilen, Parteiprogrammen und Hinter-grundinformationen zu den Wahlalternativen. Neben den Par-teien sollten im deutschen Direktwahlsystem auch Kandidaten-informationen einfach zu finden sein und dem interessierten Bürger einen guten Überblick über das politische Profil, die Zie-le sowie den persönlichen Hintergrund des Kandidaten geben können. Eine eigene Internetseite eines Kandidaten, die alle re-levanten Informationen und Standpunkte wiedergibt, kann dem Bürger somit helfen, Wahlalternativen abzuwägen, einzuord-nen, und darüber hinaus mit anderen zu diskutieren.

2. Die politische Darstellung von Kandidaten im Netz kann ein Anstoßpunkt für politische Konversation sein - ob direkt onli-ne oder indirekt offline. Wer sich im Internet über einen Kandi-daten, eine Partei und ihr Programm informiert, der setzt sich mit höherer Wahrscheinlichkeit auch darüber hinaus öfter mit Freunden oder in der Familie mit diesen Inhalten auseinander (Mutz 2002, Price & Capella 2002). Die Diskussion politischer Inhalte kann dabei auch direkt online stattfinden - wenn z.B. der Kandidat Meinungen oder Stellungnahmen zu tagesaktuellen Themen veröffentlicht und Wähler per Feedback-Funktionen in einen Dialog darüber einbindet.

3. Um dem Vernetzungscharakter des Internets gerecht zu wer-den, ist es notwendig, dass Kandidaten Kontaktpunkte im Netz schaffen. Das können Referenzen für den Kontakt außerhalb des Internets sein, wie z.B. die Adresse des Wahlkampfbüros, eine Telefonnummer oder auch der Standpunkt der folgenden Wahlkampfveranstaltung, bei der der Kandidat persönlich anzu-treffen ist. Der Kontakt kann auch direkt im Netz gesucht wer-den; z.B. in sozialen Medien. Entscheidend ist hierbei neben der reinen Zugänglichkeit des Kandidaten im Netz (Können Fragen/Antworten an den Kandidaten ‚gepostet' werden? Ant-wortet der Kandidat zeitnah und selbst?) auch, ob diese Kon-taktpunkte nur für Parteimitglieder sowie Unterstützer bestimmt sind oder einem weiteren, kritischen Publikum offen stehen.

Es ist zu erwarten, dass es jungen, netzaffinen Kandidaten leichter fällt, diese drei Funktionen des Internets für ihren Wahlkampf zu nutzen, da sie den Umgang im Netz außerhalb ihrer politischen Kar-riere gewöhnt sind. Wer privat bereits ein Facebook- oder Twitter-Profil pflegt und eventuell schon einmal einen Blog unterhalten hat, dem sollten diese Erfahrungen auch für die Vernetzung und Diskus-sion mit politisch Interessierten im Netz zugutekommen. So sollte vor allem Kandidaten der netzaffinen Piratenpartei ein Internetauftritt gelingen, der alle drei Funktionen des Internets aufgreift.

Ebenso deutet der mit der Darstellung im Netz einhergehende Auf-wand darauf hin, dass hauptberufliche Kandidaten, z.B. diejenigen, die bereits Mitglied des deutschen Bundestags oder eines der Lan-desparlamente sind und ein Team sowie Budget zur Verfügung ha-ben, einen professionelleren Auftritt im Internet schaffen. Das kann bedeuten, dass Berufspolitiker in allen drei Funktionen besser ab-schneiden als ihre Mitbewerber, da für die Betreuung des Internet-auftritts mehr Mittel sowie Zeit aufgewendet werden können. Vor al-lem aber lässt ein Mandat einen professionelleren informativen Auf-tritt im Netz erwarten. Es muss sich aber nicht zwangsläufig positiv auf den Grad der Vernetzung mit dem Bürger auswirken. Ebenso können Kandidaten der großen Parteien - getragen vom Gesamtvo-lumen an Wahlkampfunterstützung - mehr Mittel zur Verfügung ste-hen, um ihren Internetauftritt zu organisieren, als im Vergleich dazu unabhängigen Kandidaten, die ihren Wahlkampf vollständig selbst finanzieren müssen.

Alternativ zu einem guten Internetauftritt der Kandidaten großer Par-teien gehen wir auch davon aus, dass Unabhängige und Kandidaten kleinerer Parteien viel gewinnen können durch einen professionellen Internetauftritt, da sie hier viele informationssuchende Wähler akti-vieren und von ihren Standpunkten überzeugen können. Das somit realisierbare Wählerpotential sollte für kleinere Parteien weitaus größer ausfallen als für die Großen, deren Stimmenanteile sich öfter aus einer Stammwählerschaft zusammensetzen. Deshalb kann man erwarten, dass vor allem unabhängige Kandidaten und kleine Par-teien stärker auf Informationen im Netz setzen.

Im Gegensatz dazu können Angst vor Kontrollverlust sowie vor zu viel Blöße im Internet mögliche Gründe für ein Zurückhalten der Poli-tiker am Web-Diskurs sein. So zeigt Stromer-Galley (2000), dass die Präsenz von Politikern in sozialen Medien auch deshalb so klein ist, weil hier die Gefahr des Imageverlustes am größten ist. Nach eini-gen öffentlichen ‚Shit Storms' sind Kandidaten zurückhaltend gewor-den mit ihrer Präsenz im Netz. Einige Abgeordnete – wie z.B. der Berliner ‚Pirat' Christopher Lauer – schränken die Nutzung der so-zialen Medien teilweise oder ganz ein.

Methodik

Um das Nutzerverhalten und die Funktion des Internets im politi-schen Willensbildungsprozess zu untersuchen, analysieren wir die Internetpräsenz der Direktkandidaten zur Bundestagswahl 2013.

Als Methode zur Auswertung haben wir die qualitative Inhaltsanaly-se gewählt, die es erlaubt, über das reine Zählen der Nutzerprofile und Webseiten hinaus vor allem auf die Inhalte einzugehen, die Bürger über ihre Kandidaten im Internet finden. Als Grundlage zur Datenerhebung für die Inhaltsanalyse wurde zunächst ein kurzer Fragenkatalog entwickelt, der auf den aus der Literatur abgeleiteten, möglichen Funktionen des Internets im Wahlkampf basierte. Im Kern stand dabei für uns die Frage, welche Informationen über einen Di-rektkandidaten der interessierte Bürger im Netz abrufen will, wenn er im Begriff ist, eine Wahlentscheidung zu treffen. Folgende Fragen sind berücksichtigt worden:

Tabelle 1. Fragenkatalog für die Auswertung des gesichteten Materials

1.

Hat der Kandidat/die Kandidatin eine Internetpräsenz?

2.

Falls nicht, ist er/sie über die Webseiten des Kreis-, Landes- oder Bundesverbands repräsentiert?

3.

Welche Informationen über den Kandidaten sind darin enthalten, z.B. zu politischen Standpunkten, Stellungnahmen zu tagesaktuellen Themen, Termine, Persönliches?

4.

Inwiefern helfen die dargestellten Inhalte bei der Reflektion, beim Austausch über politische Inhalte mit anderen und um den Kandidaten politisch einzuordnen?

5.

Wie zugänglich zeigt sich der Kandidat/die Kandidatin über die Internetpräsenz hinaus (Angabe von Kontaktdaten, Vernetzung zu Profilen in sozialen Medien, Termine im Wahlkampf, etc.)?

6.

Wie sehen die Aktivitäten des Kandidaten / der Kandidatin in den sozialen Medien genau aus?

7.

Wie viel Dialog mit Bürgern lässt der Kandidat/die Kandidatin in sozialen Medien zu?

 

Ausgestattet mit diesem Fragenkatalog zur Orientierung und um vergleichbare Ergebnisse zu gewährleisten, haben wir im Team die Internetauftritte einer Auswahl der Direktkandidaten zur Bundes-tagswahl 2013 gesichtet. Dies geschah in den letzten drei Wochen des Bundestagswahlkampfes und darüber hinaus zwischen dem 01. und 25. September 2013. Nach einer ersten Runde der Sichtung sind wir weiter induktiv nach dem „grounded theory"-Ansatz vorge-gangen (vgl. Charmaz 2006, Mayring 2000): Wir haben unsere Ein-drücke diskutiert, Einzelfälle auf ihre Individualität bzw. auf Gemein-samkeiten analysiert und gemeinsam Kategorien, Überschriften so-wie Hypothesen formuliert, die die weitere, genauere Sichtung ange-leitet haben. Während der drei Wochen vor der Bundestagswahl sowie einige Tage darüber hinaus haben wir so iterativ gearbeitet und die Internetauftritte der Kandidaten mehrfach besucht, um unse-re Beobachtungen zu vertiefen, Hypothesen zu formulieren und Kernaussagen zu etablieren. Nach einigen Durchgängen der Sich-tung und Diskussion haben wir schließlich alle Beobachtungen ver-glichen und auf herausragende Schlüsselthemen reduziert. Dieses geschah jedoch nicht zum Nachteil anderer Beobachtungen. Nicht weiter angesprochene Themen wurden katalogisiert und als mögli-che Aspekte für zukünftige Projekte bestimmt. Darüber hinaus ha-ben wir den aus den qualitativen Datensatz mit demographischen Hintergrundvariablen über die Kandidaten verdichtet (Parteizugehö-rigkeit, Alter, Beruf, vorherige politische Funktionen und eventuelle vorherige Wahlergebnisse).

Stichprobe

Um den Umfang der Studie in einem zu bewältigenden Rahmen zu halten, wurden nach dem Zufallsprinzip 16 der 299 Wahlkreise der Bundestagswahl am 22. September 2013 ausgewählt – ein Wahl-kreis je Bundesland. Die Internetauftritte der Direktkandidaten zur Bundestagswahl in diesen Wahlkreisen wurden gesichtet und aus-gewertet. Alle Kandidaten, die sich in den so ausgewählten Wahl-kreisen für ein Direktmandat bewarben, wurden in der Analyse be-rücksichtigt. Das bedeutet, dass alle Parteien unabhängig von ihrer Präsenz in einem deutschen Parlament einbezogen wurden. Kandi-daten der Landeslisten der Parteien haben wir nicht in die Stichpro-be mit einbezogen, da wir für sie von einer anderen Wählerbasis und damit einer anderen Kommunikationsgrundlage ausgehen.

Insgesamt beläuft sich so der Datensatz auf 152 der 2704 Direkt-kandidaten zur Bundestagswahl, was einer Stichprobe von 5,6% entspricht. Dabei wurden alle in der Stichprobe vertretenen Parteien ungefähr entsprechend ihrer Verteilung von Bewerbern für die Bun-destagswahl bundesweit in die Analyse einbezogen (Tabelle 1). Für alle Kandidaten wurden demographische Hintergrundvariablen aus einem frei abrufbaren Datensatz des Bundeswahlleiters zugefügt (Bundeswahlleiter 2013).

Tabelle 2. Direktwahlkandidaten insgesamt und in der Stichprobe nach Partei (alphabetisch)

 

Partei

Kandidaten

%

Auswahl in der Studie

%

 

Alternative für Deutschland (AfD):

159

5.88%

9

6.04%

Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG)

6

0.22%

1

0.67%

Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo)

38

1.41%

3

2.01%

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

254

9.39%

15

10.07%

Christlich-Soziale Union (CSU)

45

1.66%

1

0.67%

DIE LINKE

297

10.98%

16

10.74%

Die Partei

32

1.18%

3

2.01%

Deutsche Kommunistische Partei (DKP)

6

0.22%

1

0.67%

Freie Demokratische Partei (FDP)

298

11.02%

16

10.74%

Freie Wähler (FW)

174

6.43%

11

7.38%

Bündnis 90/die Grünen

299

11.06%

16

10.74%

Marxistische-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)

41

1.52%

5

3.36%

NationaldemokratischeParteiDeutschlands (NPD)

258

9.54%

15

10.07%

Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)

62

2.29%

1

0.67%

Partei der Vernunft

6

0.22%

1

0.67%

Piraten

276

10.21%

16

10.74%

Pro Deutschland

3

0.11%

1

0.67%

Die Republikaner (REP)

21

0.78%

3

2.01%

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

299

11.06%

15

10.07%

Unabhängige Bewerber/-innen:

3

0.11%

3

2.01%

Andere

127

4.70%

0

0%

INSGESAMT

2704

 

152

 

 

 

Insight #1: Kleine Parteien nutzen das Potential des Inter-nets nicht ausreichend

Im Gegensatz zur Erwartung und vor allem zu den großen Volkspar-teien, SPD und Union, sind Kandidaten kleinerer Parteien weniger aktiv oder gar nicht im Internet vertreten. Über viele Kandidaten der kleinen Parteien der Stichprobe waren gar keine oder nur spärliche Informationen im Internet zu finden.

Es sind hauptsächlich Kandidaten von Union und SPD, die mit pro-fessionellen Informationswebseiten im Internet auftreten und somit viele Funktionen des Internets ausschöpfen. Nur wenige Kandidaten kleiner Parteien betreiben eine eigene Informationswebseite; viele stellten sich stattdessen auf einer Kreis- oder Landesverbandsseite ihrer Partei vor. Hierbei wurden zumeist nur Basisinformationen in Form eines Lebenslaufes oder Steckbriefs wiedergegeben und we-nig Persönliches oder Aktuelles mit den informationssuchenden Bürgern geteilt. Bis auf das ein oder andere Facebook-Profil blieben interaktive Angebote meist aus. Positiv zu erwähnen ist, dass viele Kandidaten zumindest Kontaktdaten wie zum Beispiel eine Post- oder Emailadresse angeben, über die sie für interessierte Bürger zu erreichen sind.

Vor allem die Internetauftritte vieler Direktkandidaten von FDP, den Grünen, und der LINKEN bleiben unerwartet deutlich hinter denen der SPD- oder Unionskandidaten zurück. Es mangelt an professio-nell gestalteten Kandidatenwebseiten und dynamischen Inhalten. Nur wenige Kandidaten der FDP, Grünen oder LINKEN konnten eine eigene Webseite vorweisen; viele wurden nur auf Landesverbands-seiten steckbriefartig vorgestellt oder waren gar nicht im Internet ak-tiv. Mit Ausnahme weniger gut aufgestellter Kandidaten mangelte es den wenigen Kandidatenwebseiten vor allem an aktuellen Inhalten, Informationen zu politischen Standpunkten des Kandidaten, sowie Dialogelementen wie zum Beispiel einer guten Vernetzung zu Face-book oder Twitter oder einer Angabe der folgenden Termine, an de-nen man den Kandidaten oder die Kandidatin antreffen kann.

Gerade bei den Grünen, die diesen Wahlkampf unter das Motto der Partizipation und Basisdemokratie innerhalb ihrer Partei stellten (Probst 2013) und mit ihrem Wahlprogramm auch Anhänger von über das Internet organisierten Bewegungen wie ‚Occupy' oder ‚Stuttgart21' ansprechen (Pickerill & Krinsky 2012), überrascht die-ses Ergebnis. In Zusammenhang mit dem Wahlausgang erlaubt das mitunter auch die Hypothese, dass die mangelnde Präsenz im Inter-net als Proxy für schwierige Erreichbarkeit und schlechte Kommuni-kation der Wahlziele im Allgemeinen dienen könnte (wobei der Nachdruck hier sicher auf ‚könnte' liegt).
In diesem Zusammenhang überraschte auch die Piratenpartei. Die demonstrierte Affinität für Computer, Technik und soziale Plattfor-men im Internet - auch die Forderung nach Instrumenten wie Liquid Democracy darf nicht vergessen werden - konnten wir bei der Aus-wertung der Kandidatenprofile nicht wiederfinden (Niedermayer 2013). Alle Piratenkandidaten waren gut zu finden über parteiweit angelegtes Wiki der Bundespartei; allerdings blieb es den Kandida-ten selbst überlassen, diese Seite mit Information und Kontaktdaten zu füllen. Während alle Piratenkandidaten diese Seite nutzten, um persönliche Kontaktdaten anzugeben, fügten nur Wenige Informa-tionen zu den eigenen politischen Standpunkten oder Aktuelles zum Wahlkampf hinzu. Einige wenige Kandidaten nutzen das Wiki oder einen eigenen Blog als einfache Informationsseite für Bürger. Durch den Blogcharakter zwar interaktiv angelegt (da Kommentare hinter-lassen werden können), wurden diese Funktionen von Webseiten-besuchern nur selten genutzt. Einige Piraten waren zudem nicht oder nicht aktiv in den sozialen Netzwerken vertreten.

Insight #2: Derzeitige Abgeordnete sowie Kandidaten mit realistischer Aussicht auf ein Direktmandat treten professioneller auf im Internet

Obwohl qualitativ lässt sich aus dieser Studie eine Abhängigkeit zwi-schen derzeitigem Mandatsstatus und der Professionalität des Inter-netauftritts eines Kandidaten ableiten, die man in einer quantitativen Studie nachweisen könnte. Vor allem aktuelle Mitglieder des Bun-destages präsentieren sich professionell im Netz mit gut geführter eigener Webseite, dicht gefolgt von ehemaligen Abgeordneten frü-herer Legislaturperioden, Abgeordneten der Landesparlamente oder Kandidaten aus den Parteiführungen.

Derzeitige MdBs überzeugen auf ihren persönlichen Webseiten viel-fach mit modernem Design, inhaltlich detaillierten und aktuellen In-formationen sowie gut gepflegten Profilen in sozialen Netzwerken. Alle in der Stichprobe analysierten Abgeordneten boten aktuelle In-formationen zum Wahlkampf, übersichtliche Zusammenfassung der politischen Standpunkte und Abgeordnetenarbeit sowie Kontaktin-formationen. Ebenso sind fast alle derzeitigen Abgeordneten mit Profilen bei Facebook vertreten. Einige nutzen auch den Kurznach-richtendienst Twitter aktiv für den Austausch mit Interessierten. Eini-ge Kandidaten stechen durch Webseiten im Smartphone- und Ta-bletfähigen ‚responsive design' heraus, eine Browseroptimierung, die die Anzeige der Webseite auf mobilen Endgeräten problemlos möglich macht. Andere nutzten neue Technologien wie Videoblogs.
Dieses Ergebnis birgt keine Überraschung, da Abgeordnete über ihr Mandat dem Wählergegenüber Rechenschaft schuldig sind über ihr politisches Handeln. Vor allem für Mitglieder des Bundestages ist das Internet ein willkommenes Informationsmedium, um sich den Bürgern fernab von Berlin im Wahlkreis zugänglich zu machen. Dar-über hinaus können sie ihr Team sowie Budget dazu nutzen, einen professionellen Internetauftritt aufzubauen und zu pflegen.

Das Beispiel der LINKEN demonstriert anschaulich eine Abhängig-keit zwischen der realistischen Chance auf ein Direktmandat und der Professionalität des Internetauftritts - einer Art pragmatischen Fata-lismus. Während im Westen Deutschlands, wo die meisten Kandida-ten der Partei über Landeslisten in den Bundestag einziehen, weni-ge LINKE-Kandidaten eine eigene, aktuelle Webseite vorweisen konnten, überzeugten Mandatsbewerber in den neuen Bundeslän-dern mit sehr persönlichen und detaillierten Webseiten, die einen gu-ten Überblick über den Kandidaten und die politischen Ziele boten. Dort sind ebenfalls die Chancen auf ein Direktmandat größer. Diese Relation zur Chance auf ein Direktmandat erklärt auch mit, warum SPD- und Unionskandidaten deutlich mehr in ihren Internetauftritt in-vestieren als Kandidaten von FDP, Grünen, der LINKEN oder kleine-ren Parteien (siehe #1).

Vor allem die Professionalität des Internetauftritts derzeitiger Man-datsträger geht allerdings nicht zwangsläufig einher mit einer bürger-freundlichen Ansprache und dem Dialog im Netz. Indem sie Design und Pflege ihrer Internetseiten ihrem Team sowie professionellen Webdesignern überlassen, wirken Kandidatenseiten schnell unper-sönlich. Während Unabhängige oder Kandidaten kleiner Parteien eher mit eigenen Stellungnahmen und persönlichen Kontaktdaten den Bürger direkt zum Austausch einladen, stellen MdBs höchstens die Adresse eines Wahlkreis- oder Bürgerbüros zur Verfügung, las-sen Mitarbeiter twittern oder Stellungnahmen verfassen und laden so nicht zum direkten Kontakt ein.

Insight #3: Trotz vielfacher Präsenz in sozialen Netzwerken wird die Dialogfunktion des Internets kaum genutzt

Es ist positiv herauszustellen, dass viele Kandidaten ein Benutzer-profil bei Facebook pflegen und dieses oft auch direkt mit ihrer Web-site verlinkt haben. Unter anderem pflegen fast alle MdBs Profile bei Facebook, einige auch bei Twitter. Im Vorfeld der Analyse wurde erwartet, weniger und vor allem weniger aktuellen Nutzerprofilen zu begegnen, da die Pflege all dieser Seiten zeitintensiv ist. Zahlreiche Kandidaten haben das trotzdem auf sich genommen. Manche nutz-ten sogar ihre privaten Mitgliedskonten bei Facebook, um über ihre Kandidatur zu informieren.

Allerdings nutzen die meisten Kandidaten in der Stichprobe diese Profile vornehmlich zur Wiedergabe der gleichen Neuigkeiten, die bereits auf der eigenen Webseite stehen, weniger für nutzerspezifi-sche Inhalte oder zum Dialog mit den Bürgern. Vielfach wurden die Profile in sozialen Medien eher als virtuelle Plakatwände genutzt, um Fotos aus dem Wahlkampf oder die digitalen Kopien der Straßen-wahlkampfplakate hochzuladen. Auch wurden einfach zu teilende In-formationen wie Kontaktdaten, die kommenden Wahlkampftermine der Kandidaten oder kurze Stellungnahmen zu tagespolitischen Er-eignissen, für die sich die sozialen Medien besonders eignen, viel-fach nicht geteilt. Die Mehrzahl der Kandidaten der Stichprobe er-laubt keine Kommentare anderer Nutzer auf ihrem Facebook-Profil, was dazu führt, dass kein Dialog mit Politikinteressierten zugelassen wird – paradox in Anbetracht der Tatsache, dass der Austausch die vornehmliche Funktion von sozialen Medien ist.

Besonders überraschen hierbei die Piraten, die - entgegen ihrer Re-putation - ebenfalls meist wenig oder wenig aktiv in den sozialen Medien vertreten sind. Obwohl viele Kandidaten ein Benutzerkonto bei Twitter führen, wird dies oft nur spärlich genutzt oder ist nicht ak-tuell. Meist werden nur Inhalte verbreitet, aber keine Dialoge mit an-deren Nutzern geführt. Da der Austausch über soziale Medien von der Aktualität der Inhalte lebt, sind überholte Profilseiten in Zeiten des Wahlkampfs eventuell schlechter für das Image des Kandidaten oder der Kandidatin als gar nicht im sozialen Web vertreten sein.

Zusammengenommen demonstriert dies, dass ‚SocialMedia'-Schulungenfür Abgeordnete und Politiker über die reine Präsenz hinaus auf nutzerspezifische Inhalte und die Netzwerkfunktion von Facebook, Twitter und Co. eingehen müssen.

Insight #4: Es gibt ein großes Gefälle in der Qualität dy-namischer sowie statischer Inhalte zwischen Kandidaten

Abgesehen von den Präsentationsformen von Kandidaten im Inter-net gibt es auch erhebliche Unterschiede in den kommunizierten In-halten. Es wird hierbei zwischen statischen, also über die Wahl-kampfperiode hinweg gleichbleibenden Inhalten (wie ein Lebenslauf, aktuelle Kontaktdaten oder politische Standpunkte des Kandidaten oder der Kandidatin), und dynamischen Inhalten mit aktuellem Be-zug oder Nachrichtenwert unterschieden.

Erwartungsgemäß gibt es viele Kandidaten, die statische Informatio-nen über sich im Netz präsentieren. Dabei bevorzugen einige den klassischen tabellarischen Lebenslauf, andere einen ausformulierten Lebenslauf oder - wie es z. B. die Piraten zeigen - eine individuell auszugestaltende Seite auf einer Wiki-Plattform. Während Persönli-ches (Werdegang, Beruf, Hobbies) und Kontaktdaten von fast allen Kandidaten geteilt werden, vernachlässigen unerwartet viele die Darstellung ihrer eigenen politischen Standpunkte.

Darüber hinaus nutzen wenige Kandidaten kreative Mittel für die Darstellung der Basisinformationen. Neben dem geschriebenen Wort verkennen viele das Potential von anderen Medien als einfach zugängliche und leicht zu verarbeitende Informationspakete. Wenige Kandidaten arbeiten mit Videomaterial oder -botschaften. Das Nut-zen von Plattformen wie Youtube oder Vimeo ist eine kostenlose sowie effiziente Art und Weise, viele Menschen zu erreichen und dynamische, interessante Inhalte für die eigene Internetseite zu ge-nerieren.

Überrascht hat hierbei, dass diese Basisinformationen für eine nicht unerhebliche Anzahl Kandidaten gar nicht oder nur schwerlich im Netz gefunden werden können. Wie zuvor erwähnt, betrifft dies vor-nehmlich Unabhängige und die Kandidaten kleinerer Parteien. Be-reits in vorausgegangenen Studien wurde die Google-Sichtbarkeit deutscher Politiker bemängelt (Jungherr, Ludwigs, & Schoen 2012). Man sollte auch hinzufügen, dass es ebenfalls an einfach zu folgen-den Vernetzungen zwischen den jeweiligen Institutionen und Ver-bandswebseiten fehlt (z.B. wenn ein Kandidat auf der Landesver-bandswebseite vorgestellt wird, seine oder ihre eigene Webseite da-bei aber nicht verlinkt wird).

Bei den schwerer zu pflegenden dynamischen Inhalten, wie z.B. ak-tuelle Informationen zu Wahlkampfständen, Termine des Kandida-ten oder Stellungnahmen zu tagespolitischen Themen, gibt es große Unterschiede zwischen Kandidaten. Während einige gut präsentier-te Kandidaten (zumeist MdBs oder SPD-/Unions-Kandidaten) auch aktuelle Meldungen für den Online-Wahlkampf benutzen und z.B. auf Wahlkampfereignisse und -veranstaltungen hinweisen oder Ta-gespolitisches erörtern, veröffentlichen andere nur rückwirkende und teils triviale Meldungen aus dem Wahlkampfgeschehen oder stellen gar keine aktuellen Informationen bereit. Einige Kandidaten stolpern hierbei offensichtlicherweise auch über die Dringlichkeit von aktuel-len Meldungen und stechen durch veraltete Einträge oder Profile hervor, die im letzten Wahlkampf vor vier Jahren zuletzt gepflegt wurden.

Diesen Eindruck illustrieren paradoxerweise vor allem Online-Darstellungen der internetaffinen Piraten: Bundesweit als Blog orga-nisiert, sucht man bei vielen Kandidaten der Piraten vergebens nach aktuellen Einträgen oder Meinungsbeiträgen. Das Abschnei-den der Piraten - insbesondere im Vergleich zum Erfolg der AfD - spiegelt diesen Eindruck wieder: Vergleicht man den Informations-gehalt der Internetauftritte von AfD und Piraten, liegen die Pluspunk-te in der Regel bei der AfD. Zwar waren die AfD-Kandidatenprofile nicht als Dialogplattform aufgebaut, doch wurden oft Videos und ak-tuelle Positionen der Partei veröffentlicht. Bei der Piratenpartei ver-misste man meist solche aktuellen und für den Webseitenbesucher einfach zugänglichen Informationen.